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Nettesheim:Marienkrönung im Hochaltar

FCS-6112365
Datum:
15. Jan. 2026
Von:
Stephanie Dunkel
FCS-6112360

Die Marienkrönung im Hochaltar von St. Martinus in Nettesheim

Der Innenraum der Nettesheimer Kirche findet seinen optischen Abschluss in einem ausgesprochen wertvollen neugotischen Hochaltarretabel (rückwärtiger Altaraufbau). Es befand sich ursprünglich in der Pfarrkirche St Josef an der Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld und gelangte in den 60er Jahren in unsere Kirche. Es wirkt, als sei er für diesen Raum geschaffen. Angefertigt wurde es in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Über die Werkstatt ist uns nichts Näheres bekannt. Aber der Künstler muss eine außerordentliche Begabung und vor allem eine profunde Kenntnis der spätgotischen Kunst Bayerns und Österreichs, ja das gesamten süddeutschen Raums um 1500 gehabt haben. Historisch haben wir im Rheinland zu diesen Gegenden eine sehr enge Beziehung, nicht zuletzt durch die Herrscherhäuser der Wittelsbacher und Habsburger. Dort finden wir konkrete Vorbilder für das Nettesheimer Bild.

Dargestellt ist die Krönung der Gottesmutter Maria durch ihren Sohn Jesus und Gott Vater. Wir dürfen das Bild nicht wie die fotografische Festhaltung eines bestimmten Momentes betrachten, sondern als eine symbolische Darstellung von etwas, was nicht nur das Leben Mariens zusammenfasst, sondern auch für jede und jeden von uns gelten soll. Maria ist das Urbild jedes Christen und jeder Christin. Die Krönung steht dafür, dass der Abschluss und das Ziel unseres Lebens nicht in unserer Hand liegen. Gott selber ist es, der uns den krönenden Abschluss schenkt. Nicht als Schlusspunkt, sondern als dauerhaftes Ziel. Das entlastet, denn es liegt nicht an uns, aus unserem Leben eine runde oder gar perfekte Sache zu machen. Der Weg muss nicht so gerade verlaufen wie der Mittelgang der Kirche, sondern wird immer seine Windungen und Brüche haben. Trotzdem steht am Ende die Zusage, dass das Ganze in Gott sein Ziel und seine Vollendung findet.

Manch einer mag sich hier stören an der realistischen Darstellung von Gott Vater als Mann. Wir haben es hier mit einer indirekten Spiegelung zu tun, nicht mit einem Anspruch auf eine äußerlich realistische Abbildung. Jesus können wir darstellen. Von ihm heißt es, er sei das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Das meint aber nicht, dass Gott dann auch einen Bart hat und Auge und Nase, sondern das ganze wird hier indirekt, sozusagen im Rückspiegel dargestellt. Wir müssen also hinter das Äußere Jesu schauen, um so etwas vom Geheimnis Gottes zu ahnen. Die Gott-Vater-Figur will das nur symbolisieren, aber nicht bildlich darstellen. Die Menschen des Spätmittelalters hatten einen Sinn dafür, hinter das Vordergründige zu schauen.

Machen wir uns auch heute auf diesem Weg, kann uns dieses wunderbare Altarbild sehr viel für unseren eigenen Lebensweg an Hoffnung und Zuversicht mitgeben: Das gute Ziel steht fest - auch im Jahr 2026.

 

Pfarrer Meik Schirpenbach