Grevenbroich & Rommerskirchen:Pfarrpatronin für Niedererft im zweiten Angang

Gertrud, Hildegard, Katharina und Willibrord
Mit der Neuausrichtung unserer Kirchengemeinden verbinden sich vier prägende Gestalten, die Glauben, Geschichte und Gegenwart auf besondere Weise miteinander ins Gespräch bringen. Gemeinsam eröffnen diese vier Patron:innen einen geistlichen Kompass für unsere Zeit: verwurzelt in der Geschichte – offen für die Zukunft.
Vollrather Höhe
St. Willibrord und Gefährtinnen
(658-739)
Patronatsfest 7. November
Der Heilige Willibrord hat auf dem Gebiet des heutigen Grevenbroich glaubensvertiefend und die Seelen befreiend gewirkt, namentlich innerhalb der Pfarre Neuenhausen. Am dortigen Welchenberg hat er eine Quelle hinterlassen, den Willibrordusbrunnen. Als Gründer des Bistums Utrecht verbindet er uns mit unseren niederländischen Nachbarn. Sein Grab befindet sich in Echternach, wo ihm zu Ehren die Springprozession veranstaltet wird, bis heute ein fröhliches Glaubensfest.
Willibrord gehört zu einer großen, gutvernetzten Gruppe von iro-schottischen und angelsächsischen Wandermönchen, die vor Ort mit der bereits christlichen Oberschicht sowie lombardischen Mönchen intensiv kooperierten (niederländisch: „De heiligen van Wintershoven“). Mit den „Gefährtinnen“ möchten wir namentlich an die Hl. Irmina von Trier und Gertrud von Nivelles erinnern. Das soll unser Zusammenwirken vor Ort ermutigen. Willibrord wirkte grenz- und kulturüberschreitend, begriff sein Leben als Leben als Pilgerschaft, knüpfte bei dem an, was er vor Ort vorfand und entwickelte es weiter. Seine Weite, in der Glaubenstiefe begründet, und seine kooperierende Vermittlung des Evangeliums inspirieren uns. In einer Zeit von KI und fortschreitender Digitalisierung aller Lebensbereiche steht Willibrord für die Auseinandersetzung mit der unmittelbar gegebenen Wirklichkeit und die menschliche Begegnung
Rommerskirchen-Gilbach
St. Hildegard von Bingen
(1098-1179)
Patronatsfest 17. September
Zu Lebzeiten der Heiligen Hildegard blühte das kirchliche Leben auf der Gilbach auf. Zahlreiche bauliche Spuren haben sich aus dieser Zeit an vier unserer Kirchen erhalten. Hildegard besuchte auf ihren Predigtreisen Köln.
Sie war Prophetin, deren Reichweite wir erst heute verstehen. Sie fand für ihre Glaubenserfahrungen eine eigene Sprache. Ihre reiche, inspirierende schriftliche Hinterlassenschaft steht für ein ganzheitliches Christentum, das sich in den folgenden Jahrhunderten im Westen vielfach verengte, woran wir bis heute leiden. In tiefer Verbundenheit mit Gott und Schöpfung durchschaute sie umfassende ökologische Zusammenhänge, deren Bedeutung uns gerade hier im ländlichen Raum immer bewusster wird. Alles steht für sie von Gott her in Einheit und Beziehung. Gott und Welt, Leib und Seele, alles ist Leben und im Gleichgewicht. Hildegard inspiriert uns, in diese Richtung unser heutiges Christentum zu bekennen und zu leben, um aus den Sackgassen unserer Zivilisation herauszufinden. Hildegard war mutig, predigte vor Kaisern, Bischöfen und Päpsten. Mit diesem Mut und dieser Offenheit möchten wir unserer heutigen Welt begegnen.
Niedererft
Die heilige Gertrud von Helfta
(1256-1301/2)
Patronatsfest 16. November
Auf einer Gemeindeversammlung am 16. Juli haben wir uns auf die Heilige Gertrud von Helfta als Pfarrpatronin der zum 1.1.2028 entstehenden neuen Pfarrei in GV-Niedererft geeinigt. Gertrud lebte als Zisterzienserin im Kloster Helfta am Rand von Eisleben/Sachsen-Anhalt. Als eine der bekanntesten Mystikerinnen Deutschlands trägt sie den Beinamen „die Große“. Sie Verband ihren geistlichen Tiefgang mit handfester Menschenkenntnis, wurde vielen zur Begleiterin und baute das Kloster zu einem der geistlichen Zentren des deutschen Sprachraums aus. Den Begriff der „Exerzitien“ oder „geistlichen Übungen“ prägte sie wesentlich. Sie steht für den inneren Halt, den wir heute so sehr brauchen. Da Eisleben der Geburts- und Sterbeort Martin Luthers ist, hat sie auch eine hohe ökumenische Bedeutung. Das nach der Wende 1989 von den Zisterzienserinnen wiederbelebte Kloster steht in enger Verbindung mit unserem Kloster in Langwaden. Es ist ein Hoffnungszeichen für die Christen in Sachsen-Anhalt, auf die die AfD derzeit immer mehr negativen Druck ausübt.
Warum es die Selige Alydis von Langwaden nicht wurde:
Der Fachbereich Kirchenrecht des Erzbistums hat die Benennung der Seligen Aleydis von Langwaden als neuer Pfarrpatronin mit der Begründung abgelehnt, dass sie weder in den Kölner noch in den deutschsprachigen Heiligenkalender aufgenommen sei.
Elsbach-Erft
Katharina von Alexandrien
(um 300)
Patronatsfest: 25. November
Sie war die Patronin des 1298 gegründeten Wilhelmitenklosters in Grevenbroich, dessen Kirche den älteren Teil der heutigen Pfarrkirche St. Peter und Paul in GV bildet.
Sie stammt der Überlieferung nach aus Zypern und erhielt als wissensdurstige und neugierige junge Frau eine philosophische Ausbildung in der damaligen internationalen Metropole Alexandrien. Durch die Begegnung mit einem Einsiedler aus dem damals entstehenden ägyptischen Mönchtum wurde sie Christin. Ihren Glauben verteidigte sie gegenüber ihren gebildeten Kritikern und steht für das Zusammenspiel von Glaube und Wissenschaft, das uns auch heute herausfordert. Sie starb als Märtyrin.
Immens ist ihre Wirkungsgeschichte: Sie steht für die Verbindung der Kulturen rund ums Mittelmeer bis zu uns. Ihr Grab befindet sich im Katharinenkloster auf dem Sinai, wo der brennende Dornbusch stand, welches eine Heilige Stätte für Christen, Muslime und Juden ist. Kirche und Moschee stehen dort nebeneinander. So steht ihr Name für die Begegnung von Christen und Muslimen, die wir hier vor Ort immer stärker erfahren. Als Patronin der Universitäten (Paris) fordert sie uns heraus, uns über unseren Glauben Rechenschaft zu geben und ihn mitinnerer Weite in die Sprachen unserer Zeit zu übersetzen.