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Die Grevenbroicher Monstranz:Reiche Hoffnung in armen Zeiten

Eine kostbare Monstranz aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Grevenbroich wird zum Hoffnungszeichen: Sie zeigt, dass wahre Schönheit nicht im materiellen Wert liegt, sondern in dem, was sie trägt – und erinnert daran, dass selbst in Krisenzeiten Würde und Hoffnung wachsen können.
Monstranz Peter und Paul
Datum:
1. Juni 2026
Von:
Pfr. Meik Schirpenbach

Reiche Hoffnung in armen Zeiten

Viele Verschwörungstheorien spekulieren über die unermesslichen Reichtümer der katholischen Kirche. Tatsächlich gibt es sogenannte Kirchenschätze – auch an Erft und Gillbach. Ein besonders wertvolles Stück ist die Monstranz, die an einem sicheren Ort in der Grevenbroicher Kirche aufbewahrt wird. Erstaunlicherweise wurde sie in einer Krisenzeit, gegen Ende des Dreißigjährigen Krieg – 1635 - angefertigt, als unsere Gegend immer wieder von Kriegshandlungen heimgesucht wurde. „Ex undequaque collectis“ d.h. aus allen möglichen Sammlungen ließ der damalige Pfarrer Philippus Eppinger, ein Zisterziensermönch des Grevenbroicher Klosters, sie anfertigen. Bezieht sich das auf die unterschiedlichen Bestandteile? Die vielen gotischen Architekturteile könnten von einer älteren Monstranz stammen. Die Barockelemente hingegen sind aus der Zeit der Anfertigung. Freies Formenspiel verbindet beides. Mit den Pfarrpatronen Petrus und Paulus sowie Abraham und Melchisedek als den Ersten, die Brot und Wein im Gottesdienst verwendeten, wird die Geschichte sichtbar, in der wir stehen. Manches an der Monstranz ist schief. Perfektion war den Goldschmieden des 17. Jh. unbekannt. Sie suchten Schönheit, und das ist etwas anderes.  

Eine Monstranz erhält ihren Glanz von dem, was sie trägt: Die Anwesenheit Jesu in der Gestalt des Brotes. Ihr Glanz und ihre Schönheit sind damit ein Spiegelbild des Menschen, der seine Schönheit dadurch gewinnt, dass er selbst die göttliche Liebe trägt. Die kleine Marienstatue in der Turmspitze erinnert daran. Man versteht dieses Kunstwerk nur, wenn man seine Richtung erkennt: von innen nach außen, nicht umgekehrt, wie wir es heute für so banal normal halten. Die Kostbarkeit der Monstranz will also die Kostbarkeit und die Würde des Menschen vom Geheimnis Gottes her veranschaulichen. Das war es, was die Menschen gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, der von soviel Entmenschlichung bestimmt war, brauchten. Sie wollten für dieses Hoffnungszeichen sammeln und geben. Damit erübrigt sich die oft gehörte Frage, ob man die Kirchenschätze heute verkaufen solle, um damit sinnvolles zu tun. „Wir essen das Brot, aber wir leben vom Glanz“ sagt Hilde Domin. Unsere Vorfahren, die uns dieses Kunstwerk geschenkt haben, sahen das wohl genauso. Hoffnungszeichen haben wir heute bitternötig.

Meik Schirpenbach